Halloween

Horror-Sagen von Geistern

Arme Seelen

Kinder aus der Seewies vergingen sich einmal im Wald. Sie kamen in die geschlagene Nacht hinein, und da sahen sie die blauen Lichter übers Moos hin und her wischen. Den Kindern wurde ängstig, sie rannten davon und kamen zu einer Klause, und dort drin kniete ein eisgrauer Einsiedel. In der Klause wuchs den Kindern das Herz wieder, sie wurden keck und deuteten mit dem Finger auf die ruhlosen Lichter und gaben ihnen allerlei Namen. Das hätte nicht sollen sein. Auf einmal stehen die Lichter vorm Fenster und schlagen so gewaltig daran, daß alles klirrt. Jetzt verrauschte den Kindern schnell der Mut, in ihrer Not krochen sie dem Einsiedel unter den Bart, er möchte ihnen um Herrgottswillen helfen. Da sagte der Eisgraue: "Gebt alle Brotbrösel zusammen und streut sie vor die Tür!" Das taten jetzt die Kinder gar eifrig, und sie speisten also die wilden Lichter, und die Lichter stillten sich und verloren sich bald und spielten wieder weit draußen überm Moos. So tut ein armes Brotbröslein oft Wunder.
Quelle: Hans Watzlik, Böhmerwald-Sagen, Budweis 1921 (Böhmerwalder Dorfbücher, 5. Heft)

Die Anhalterin

Ein Autofahrer mittleren Alters sieht auf einer nächtlichen Landstrasse, kurz vor einer Autobahnauffahrt eine junge und hübsche Anhalterin stehen. Er ist glücklich verheiratet und hat selber eine Tochter in diesem Alter, so überlegt er nicht lange und beschliest das Mädchen, soweit es in die gleiche Richtung will, mitzunehmen, damit ihr nichts passiert. Er liest ja Zeitung.
Das Mädchen ist rührend dankbar und nennt als ihre Zieladresse ein Dorf , welche auf der Strecke unseres Autofahrers liegt. So steigt sie ein und legt brav den Sicherheitsgurt an. Bei der Fahrt erläutert ihr der Autofahrer noch die Gefahren beim Trampen. Sie ist etwas schweigsam, was unseren Autofahrer nicht sonderlich wundert, und so fahren sie in Richtung der Heimatstadt des Mädchens.

So gegen 23.30 Uhr wird die Kleine jedoch ein bisschen unruhig und fragt immer wieder, ob sie es zu der Zieladresse, welche sie angegeben hat, denn auch bis um Mitternacht schaffen würden. Der Mann meint dass es leider durch den nun einsetzenden Regen ein bisschen schwierig sei, diese Zeitvorgabe einzuhalten. Das Mädchen rutscht auf seinem Sitz unruhig herum und reibt sich die Hände. Unser Fahrer meint zu ihr, ob sie friere, wenn ja dann könne sie gerne seine Jacke anziehen, welche auf der Rücksitzbank läge. Das macht das Mädchen auch, schnallt sich wieder an und rutscht weiter unruhig auf ihrem Sitz herum. Kurz vor 24.00 Uhr steigen ihr Tränen in die Augen, der Autofahrer ist der festen Überzeugung dass sie Angst vor der Standpauke ihrer Eltern hätte und versucht beruhigend auf sie einzureden.
Nachdem er seine Ausführungen beendet hat, schaut er um die Reaktion auf seine Ansprache zu sehen. Zu seinem großen Schrecken muß er feststellen, das das Mädchen nicht mehr da ist. Der Gurt ist noch eingerastet, aber das Mädchen ist verschwunden. Da es dafür (denkt unser Fahrer) eine natürliche Erklärung geben muß, fährt er den letzten Streckenabschnitt auf der Suche nach ihr nochmals ab. Er denkt sie wäre vielleicht aus dem Auto gefallen.  Als das alles nichts bringt, beschliest er zu der angegebenen Adresse zu fahren. Als er in die vom Mädchen genannte Strasse im Dorf fährt, sieht er zu seinem Erstaunen schon wohl eine ganze Familie mit ernsten Gesichtern auf der Strasse stehen. Er steigt aus und stammelt den Leute in Stichpunkten die seltsame Begebenheit. Ein Mann löst sich von der Gruppe, geht auf ihn zu und berührt in mit Tränen in den Augen an der Schulter, als ob er ihn umarmen wolle und sagt dann: "Wir haben schon auf dich gewartet. Das macht sie jedes Jahr an ihrem Todestag."
Auf dem Friedhof fand man auch wieder seine Jacke. Sie hing über ihrem Grabstein.
Diese Geschichte ist in Bayern sehr verbreitet.